Frankfurt am Main, 26. August 2026. Gute Nachrichten für die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen: Das ESF-geförderte Projekt BEGIN wird um weitere zwei Jahre bis zum 30. September 2028 verlängert. Seit Oktober 2022 unterstützt BEGIN Menschen mit Fluchterfahrung dabei, ihre beruflichen Perspektiven zu entwickeln, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze zu finden und nachhaltig in den Arbeitsmarkt einzumünden.
Der Weg, der zu dieser Verlängerung geführt hat, ist bereits eine kleine Erfolgsgeschichte: Für die Träger, die Arbeitgeber, die übergreifende Zusammenarbeit und vor allem für die Menschen. Die Verlängerung ist jetzt ein wichtiges Zeichen für eine erfolgreiche Integrationsarbeit in der multinationalen und weltoffenen Stadt Frankfurt am Main. Dabei zeigt die Praxis vor allem eins: Integration gelingt vor allem dann, wenn Beratung, Sprachförderung, Berufsorientierung, Qualifizierung und Unterstützung beim Übergang in Ausbildung und Arbeit ineinandergreifen. Damit dieses Zusammenspiel auch langfristig funktioniert, braucht es gleichermaßen eine verlässliche Finanzierung der begleitenden Integrationsangebote.
Erfolgsfaktor Kooperation
BEGIN steht für "Begleitung und Empowerment von Geflüchteten in nachhaltige Integration" und setzt als Projekt von Anfang an auf einen Verbund unterschiedlicher Träger und Kompetenzen. Gemeinsam umgesetzt wird das Projekt von sieben Kooperationspartner*innen: FWG, JJ, KUBI, Über den Tellerrand, Zan und ZuBaKa. ZuBaKa musste seine Trägerschaft aufgrund von Kürzungen und weggefallenen Mitteln zum 31. Juli 2026 beenden.
Ergänzt wird der Projektverbund durch ein großes Frankfurter Netzwerk mit Kooperationspartnern aus Arbeitsverwaltung, Wirtschaft, Bildung, Zivilgesellschaft und Stadtgesellschaft. Dazu gehören unter anderem die Bundesagentur für Arbeit, das Jobcenter Frankfurt, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, der DGB, der Hessische Flüchtlingsrat, die Stadt Frankfurt, die Volkshochschule Frankfurt und der Sportkreis Frankfurt.
Finanziert wird BEGIN durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), kofinanziert mit Mitteln aus dem Frankfurter Arbeitsmarktprogramm (FRAP). BEGIN knüpft dabei an die langjährige Arbeit des Vorgängerprojekts IvAF an, das bereits von 2016 bis 2022 erfolgreich umgesetzt wurde. Auch für Anita Heise, Geschäftsführerin der FRAP Agentur, ein wichtiges Zeichen für die Stadt: "Wir sind sehr froh, dass die wirksame Arbeit von BEGIN für die Stadt Frankfurt bis 2028 gesichert ist."
Mehr als 1.000 Menschen erreicht, 53 Prozent erfolgreich vermittelt
Die bisherigen Ergebnisse zeigen die Wirkung des Ansatzes: 1.068 Menschen haben seit Projektbeginn an BEGIN teilgenommen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden sind Frauen - besonders bemerkenswert, da geflüchtete Frauen in der Arbeitsmarktintegration häufig schwerer erreicht werden. Von den bereits aus dem Projekt ausgetretenen Teilnehmenden konnten 53 Prozent in Schule, Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden.
Der Erfolg beruht dabei nicht auf einem einzelnen Angebot, sondern auf dem Zusammenspiel vieler Bausteine: ein einheitliches Beratungskonzept, individuelle Ausbildungsbegleitung, Berufsorientierung, Sprachlernangebote, Workshops und Unterstützung bei Bewerbungen gehören ebenso dazu wie die enge Zusammenarbeit mit Jobcenter und Jugendjobcenter.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die niedrigschwellige Ansprache. Mitarbeitende mit Ukrainisch-, Russisch-, Arabisch-, Persisch- oder Dari-Kenntnissen können erste Fragen direkt klären. BEGIN bietet außerdem Informationsveranstaltungen in Unterkünften, begleitet Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf und unterstützt Auszubildende individuell im Rahmen eines 1:1-Coachings.
Integration braucht ein funktionierendes Netzwerk
"BEGIN zeigt sehr deutlich, dass Integration gelingen kann, wenn die verschiedenen Räder ineinandergreifen", sagt Projektleiterin Sandy Lehmann vom Caritasverband Frankfurt. "Menschen brauchen häufig mehrere Angebote gleichzeitig und manchmal über einen längeren Zeitraum. Unser Netzwerk ermöglicht genau diese passgenaue Unterstützung."
Umso größer ist die Sorge, dass immer mehr ergänzende Angebote wegfallen. Projekte zur Berufsorientierung werden überwiegend eingestellt oder nicht mehr mit der Zielgruppe belegt, Sprachförderung wird eingeschränkt und fehlende Wiederholungsstunden nach nicht bestandenen Sprachprüfungen machen bisherige Aufwendungen zur Fehlinvestition. In der Folge haben nur noch wenige Menschen die Möglichkeit, Sprachkenntnisse bis zum Niveau B2 oder C1 auszubauen.
Sprachförderung kann nicht nur in die Betriebe verlagert werden
Auch für Arbeitgeber entstehen dadurch Herausforderungen. Viele Unternehmen benötigen weiterhin Mitarbeitende mit besseren Deutschkenntnissen und verfügen gleichzeitig nicht immer über die notwendigen Ressourcen oder das Know-how, Menschen mit geringen Sprachkenntnissen intensiv einzuarbeiten und sie beim Deutschlernen "on the job" adäquat zu begleiten.
Verlängerung ist ein Erfolg - aber keine dauerhafte Lösung
Die Verlängerung von BEGIN bis 2028 schafft wichtige Planungssicherheit und ermöglicht es, die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Gleichzeitig macht die aktuelle Situation deutlich, dass einzelne befristete Projekte die strukturellen Lücken in der Integrationspolitik nicht dauerhaft auffangen können.
"Die Verlängerung von BEGIN freut uns sehr. Sie ist eine Anerkennung der erfolgreichen Arbeit und gibt uns zwei weitere Jahre, um Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung und Arbeit zu begleiten", so Ralph Rußmann, Leiter der Abteilung Soziale Stadt beim Caritasverband Frankfurt. "Damit Integration aber dauerhaft gelingen kann, brauchen wir auch langfristig tragfähige Strukturen. Erfolgreiche Netzwerke müssen dauerhaft gesichert werden und brauchen stabile Finanzierungsstrukturen, auch über Mittel des Bundes.