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  • Auf die Sanierung eines Brennpunkts folgt gelebte Nachbarschaft
Junge und Mädchen mit Caritas-Luftballons
Sozialcourage Quartiersbüro

Auf die Sanierung eines Brennpunkts folgt gelebte Nachbarschaft

Das Quartier Schönau in Mannheim hatte einen denkbar schlechten Ruf. Die Wohnungen waren veraltet, auf den Straßen lag der Müll. Niemand wollte mehr dort wohnen. Da packten Caritas und eine Wohnungsbaugesellschaft das Problem an: Nach der Sanierung des Viertels sind die Lebensqualität und Stimmung der Bewohner so gut wie nie.

Eine Gruppe von Kindern werkelt an einer Art Tisch aus Holzpaletten.Kinder in Aktion: Mit etwas Farbe wirkt alles gleich freundlicher.Christian Endres

Hier kennt jeder jeden. "Hallo Herr Schneider, wie geht es heute - kam Ihre Katze gestern noch zurück?" Man grüßt sich, bleibt kurz stehen, fragt nach dem Wohlbefinden. Doch das war nicht immer so. Noch vor wenigen Jahren waren die Straßen dunkel, die Fassaden vollgesprayt, der Stadtteil düster und dreckig. Sperrmüll lag auf den Gehwegen. Immer wieder brannte eine Mülltonne lichterloh. Der schlechte Ruf Schönaus trug seinen Teil dazu bei, dass hier niemand hinziehen wollte. Die Mietwohnungen der Fünfzigerjahre hatten keine Zentralheizung. Sie waren eng, in schlechtem Zustand, ohne Dämmung und Isolierung. Warmes Wasser im Bad gab es nur in Ausnahmefällen.

Name des Quartiers ist Programm

Dieses trostlose Bild gehört der Vergangenheit an. Heute, nach der Sanierung des Bereichs Schönau-Mitte, ist der Name des Stadtteils Programm. Das Viertel hat an Lebensqualität gewonnen. "Die Stimmung unter den Bewohnern ist sehr gut", betont Christian Endres, Caritas-Sozialarbeiter im Quartierbüro Schönau. Das Büro wurde im Zuge der Sanierung eingerichtet. Die Bewohner finden Unterstützung in sämtlichen Lebenslagen. 

Doch vorher mussten alle umziehen

"Alle Bewohner mussten aus den Wohnungen raus. Deshalb ging es vor der Räumung darum, die Menschen auf die Umzüge vorzubereiten", erzählt Christian Endres. Zusammen mit den Kollegen der GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft suchten sie die einzelnen Mieter auf. Es gab unproblematische Ausquartierungen, aber es gab auch verwahrloste Menschen, die in zugemüllten Wohnungen hausten und diese nicht verlassen wollten.

"Der Umzug wurde komplett bezahlt", erinnert sich Wolfgang Bielmeier, ehemaliger Chef der GBG Mannheimer an das Jahr 2003, als die Sanierung begann. "Doch viele der Urschönauer wollten im Stadtteil bleiben." Caritas und GBG unterstützten die Bewohner von Beginn an gemeinsam. Die Wohnungsbaugesellschaft hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine eigene Abteilung Soziales Management gegründet und war damit bundesweit eine der ersten. "Wir freuen uns sehr, mit dem Caritasverband im Quartierbüro einen kompetenten Partner zu haben", lobt der Leiter dieser Abteilung, Stefan Möhrke, die Zusammenarbeit, die die Bedürfnisse der Menschen im Fokus hat. Mit dem persönlichen Kontakt und der Betreuung beim Umzug war klar: Hier zieht man an einem Strang.

Aus dem Mieterhock wurde ein regelmäßiger Treff

Doch die Räumung war nur der erste Schritt. Nach der Sanierung der Wohnblöcke ging die Gemeinwesenarbeit erst richtig los. "Sie ist unverzichtbar für ein gelungenes Zusammenleben", sind sich Endres und Möhrke einig. So wurden Hauseingangsempfänge oder ein Mieterhock initiiert, damit sich die Nachbarn  kennenlernen. Man wollte aus alten Fehlern lernen und eine Gemeinschaft im Sanierungsgebiet schaffen. Aus dem Mieterhock entwickelte sich ein regelmäßiger Treff, bei dem das Team im Quartierbüro Infovorträge zu Themen wie Einbruchschutz oder Haustürgeschäfte veranstaltete, gemeinsame Ausflüge und das Sommerfest organisierte.

Skaterpark und Senioren-Netzwerk

Gruppenbild, auf dem rund zehn Kinder und zwei ältere Frauen im Grünen stehenDie Kinder sind mit im Boot, wenn es um ihren Stadtteil geht. Alexandra Steinemann (links hinten) und Gisela Schorr helfen ehrenamtlich mit.Christian Endres

Mit den Schülern zum Beispiel wurde bei einer Schulhofkonferenz entschieden, einen Skaterplatz zu bauen. Die jungen Schönauer setzten sich über Monate für ihre Idee ein und verbrachten ihre Freizeit in der Skaterinitiative SAM. Mit Hilfe des Quartierbüros und vielen Unterstützern hat Schönau heute einen Skaterpark, der seinesgleichen sucht,  sogar Skater aus Frankfurt und Karlsruhe kommen hierher.

Auch für die Senioren wurden Initiativen gegründet. Gemeinsam kochen, spielen und sich austauschen - in Kontakt kommen ist heute üblich. Heute treffen sich Alt und Jung im gemeinschaftlichen Garten, sie pflanzen und pflegen Gemüse und Blumen. Im Netzwerk Senioren Schönau sind 14 Organisationen und Einrichtungen als Partner vereint. 

Das Team der GBG und des Quartierbüros arbeiten Hand in Hand. Die Mitarbeiter sind nach wie vor Ansprechpartner für alle Fragen - sei es, dass der Weg zur Mülltonne zu weit ist oder es Querelen bei den Bewohnern gibt. Heute erinnert im Stadtteil nichts mehr an die triste Vergangenheit. Der Müll auf den Straßen ist verschwunden, willkürliche Zerstörung ist passé und die Straßenzüge sind freundlich und hell. Und bester Beweis für die Beliebtheit des Quartiers, so Endres: "Keiner möchte hier mehr weg."


Bund-Länder-Programm Soziale Stadt

Kooperationspartner des Programms sind die Stadt Mannheim, die GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft und der Caritasverband Mannheim mit Quartierbüro. Insgesamt 830 Wohnungen wurden modernisiert, 54 Millionen Euro im Sanierungszeitraum 2008 bis 2018 investiert. Fördermittel kamen vom Bund, dem Land und der Stadt. Der Stadtteil Schönau hat rund 13 000 Einwohner. Das Durchschnittsalter beträgt 42 Jahre, 46 Prozent der Bewohner haben einen Migrationshintergrund.

Kontakt: Quartierbüro Schönau, Memeler Straße 28, 68307 Mannheim

Autor/in:

  • Gabriela Crisand
Sozialcourage Ausgabe Sozialcourage, Spezial/2018: caritas.de

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