Caritasverband Frankfurt e.V.
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Über 100 Jahre Caritasverband Frankfurt
Katholische Christen, die in der sozialen Arbeit engagiert waren, schlossen sich im Herbst 1901 zusammen, um ihre Tätigkeiten besser zu koordinieren und sinnvoller zu planen. Mehr als ein Jahrhundert lang gestaltet nun der Caritasverband Frankfurt das Leben in dieser Stadt aktiv mit und gehört heute mit seinen rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und über 70 Einrichtungen und Anlaufstellen in den Stadtteilen zu den großen Trägern sozialer Dienste in Frankfurt.
Die Gründung
Soziale Probleme zu Beginn des 20.Jahrhunderts
Die Not nimmt kein Ende: 1. Weltkrieg und große Inflation
Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg
Wiederaufbau der Caritasarbeit nach dem 2. Weltkrieg und in den 50er Jahren
Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen
Professionalisierung der Caritasarbeit in den 70er und 80er Jahren
Die 90er Jahre: Antworten auf die Spaltung der Gesellschaft
Marktorientierung in der Pflege
Neue, flexible Lösungen - Stationäre Familienbetreuung
Modernes Selbstverständnis und Leitbild
Die Gründung
Am 27. September 1901 wird der Caritasverbandes in Frankfurt gegründet. Geburtshelfer sind die im sozialen Bereich engagierten
vielen kleinen Vinzenz- und Elisabethvereine der Kirchengemeinden. Das übergeordnete Ziel ist, durch einen Trägerzusammenschluss
die Arbeit der verschiedenen spontan gewachsenen kirchlichen Hilfswerke besser und effektiver aufeinander abzustimmen. Gemeinsam
soll das Netz an Hilfen für Menschen in Not in der Stadt Frankfurt noch enger geknüpft werden. Erster Caritassekretär und
später Caritasdirektor wird der Kaufmann Anton Matti.
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Soziale Probleme zu Beginn des 20.Jahrhunderts
Mit dem Beginn des Industriezeitalters vollzieht sich ein gigantischer Umbruch. Der rasante wirtschaftliche Wandel bringt
große soziale Probleme mit sich. Die Arbeit in den Fabriken ist hart und bringt wenig Lohn. Arbeiterfamilien leben im Elend.
Schlechte Wohnverhältnisse, mangelnde Hygiene und unzureichende Ernährung führen zu hoher Säuglingssterblichkeit. Viele Kinder
sind Vollwaisen. Vor allem der Kinder und ihrer Familien nimmt sich der neugegründete Caritasverband Frankfurt an. Ihre Lebensbedingungen
will er verbessern.
Die ersten Aufgaben des Caritasverbandes Frankfurt sind die Übernahme von Vormundschaften, die persönliche Sorge für die Mündel
von der Geburt bis zur Volljährigkeit, die Sicherung gleicher Entwicklungschancen für nichteheliche Kinder, die Pflegestellenvermittlung,
die Beratung der Pflegeeltern, die Übernahme von Beistandschaften für Halbwaisen und die Einrichtung einer Jugendbibliothek.
1903 kommt die Beratung und Hilfe für die vom Land in die Stadt strömenden arbeitsuchenden und oft hilflosen Menschen hinzu,
durch Unterstützung bei der Stellensuche, Stellenvermittlung und Einrichtung eines Mädchenwohnheimes in Bornheim. Bereits
1904 leistet der Caritasverband Eingliederungshilfe für jährlich 25 bis 30 Strafentlassene. Die Mitarbeiter des Caritasverbandes
bekommen sogar Schlüssel zu den Gefängniszellen - ein nicht alltäglicher Vertrauensbeweis. Seit 1905 wird durch Vorträge in
den Abgangsklassen für Eltern und Schüler Aufklärungsarbeit über die Notwendigkeit einer Berufsausbildung betrieben sowie
eine Lehrstellenvermittlung als präventive Arbeit eingerichtet. Die Straffälligkeit junger Menschen bedingt ab 1907 die Mitarbeit
beim 1. Jugendgerichtshof.
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Die Not nimmt kein Ende: 1. Weltkrieg und große Inflation
Im 1. Weltkrieg schließen sich die Wohlfahrtseinrichtungen in ganz Frankfurt zur "Kriegsfürsorge" zusammen. Der Caritasverband
organisiert 1916/1917 für 3.000 Kinder Erholungsaufenthalte auf dem Land und sorgt dafür, dass 2.000 Kinder von Schweizer
Familien aufgenommen werden. Nach dem Krieg ist ein wichtiger Teil der Arbeit Hilfe für Kriegsheimkehrer.
Auch die 20er Jahre waren geprägt von großer Not. Viele Menschen in den Großstädten hungerten. Eine der wichtigsten Aufgaben
des Caritasverbandes war das Sammeln und Verteilen von Lebensmitteln. Daneben wurde die Jugendhilfe ausgebaut: Es wurden viele
katholische Kindergärten neu gegründet und Erholungsaufenthalte auf dem Land für Frankfurter Kinder und Jugendliche organisiert.
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Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg
In den 30er Jahren führt die Weltwirtschaftskrise zu neuen sozialen Problemen. 1932 erreicht die Zahl der Arbeitslosen mit
sechs Millionen ihren Höhepunkt. Der Caritasverband unterstützt Familien und Bedürftige in Frankfurt gemeinsam mit anderen
Hilfsorganisationen durch die "Winterhilfe".
Im Nationalsozialismus wird die Arbeit der freien Wohlfahrtspflege immer mehr eingeschränkt. Caritas-Heime werden aufgelöst,
die 27 katholischen Kindergärten übernimmt 1943 die NS-Volkswohlfahrt. Ein Bombenangriff im Jahr 1942 zerstört das Caritashaus
und alle Altenheime.
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Wiederaufbau der Caritasarbeit nach dem 2. Weltkrieg und in den 50er Jahren
Bei Null fängt die Caritasarbeit nach dem 2.Weltkireg wieder an. 1945 hat der Caritasverband Frankfurt nur noch sechs hauptamtliche
Mitarbeiterinnen. Jetzt geht es darum die existenzielle Not der Menschen zu lindern. Zwei Kurheime in Bad Schwalbach und ein
Heim in Bad Orb werden gemietet, um die alten Leute aus den Heimen unterzubringen.
In Frankfurt herrschen Hunger und Wohnungsnot, entwurzelte Kinder und Jugendliche streunen durch die Straßen. Für einen Teil
dieser heimatlosen Jugendlichen richtet die Caritas ein Jugendwohnheim in einer Baracke ein. Außerdem wird speziell die ambulante
Mädchensozialarbeit als Arbeitsschwerpunkt aufgenommen, später kommen noch zwei Mädchenwohnheime dazu.
Die Arbeit der Bahnhofsmission wird für die Heimkehrer und Flüchtlinge ausgeweitet. Mit Suppenküchen und Lebensmittelsammlungen
auf dem Lande muss die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln auf die Beine gestellt werden. Die Caritas verteilt auch Hilfesendungen
aus dem Ausland. Für unterernährte Kinder und Jugendliche wird die Erholungsfürsorge organisiert. Frankfurter Kinder finden
Aufnahme in Familien in der Schweiz, in Nordspanien, in Flandern und in Holland.
Im Vincenzhaus in Hofheim richtet die Caritas 1945 ein Säuglingsheim ein.
Durch Krieg und gestörte Familienverhältnisse haben viele Kinder psychische Probleme. Seit 1953 laufen konzeptionellen Planungen
für ein heilpädagogisches Kinderheim nach Schweizer Vorbild. 1955 ziehen die ersten Kinder ins neu gegründete heilpädagogische
Heim ein.
Die Wohnungsnot zu Beginn der 50er Jahre ist Anlass für den Bau des Hauses Leonhard in der Buchgasse. Dort werden alte Menschen,
junge Mädchen und Alleinstehende aufgenommen.
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Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen
In den 60er-Jahren übernimmt zunehmend der moderne Sozial- und Rechtsstaat die Absicherung der Bürger gegenüber Lebensrisiken:
"Fürsorge" wird zum Rechtsanspruch. Aber es gibt auch weiterhin Menschen, die die Beratung, Unterstützung und Hilfe der Caritas
suchen und brauchen. Ein ganz neues Arbeitsfeld entsteht durch den Zuzug ausländischer Arbeiter nach Deutschland. Zunächst
kommen Italiener und Spanier. 1963 leben ca. 12.000 in Frankfurt. Es folgen Jugoslawen und ab 1965 auch Portugiesen. Für sie
und ihre Familien bietet die Caritas in Frankfurt Beratungszentren mit muttersprachlichen Experten aus den Heimatländern.
1976 richtet der Verband in Kooperation mit dem Diakonischen Werk den Flughafensozialdienst für Flüchtlinge ein.
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Professionalisierung der Caritasarbeit in den 70er und 80er Jahren
Die Arbeit der Caritas weitet sich so stark aus, dass sich der Verband umstrukturiert und 1975 neun "Sachbereiche" bildet.
Am 25. Januar 1985 gibt sich der Verband eine neue Satzung. Danach ist der Caritasverband die vom Bischof von Limburg anerkannte
institutionelle Zusammenfassung und Vertretung der katholischen Caritas in der Stadt Frankfurt.
In die 80er Jahre fällt auch die bis dato nicht gekannte Problematik der Arbeitslosigkeit und in Folge eine wachsende Armut.
Dieses Problem erforderte auch vom Caritasverband neue, differenziertere Angebote wie die Schuldnerberatung oder die sozialpädagogische
Familienhilfe.
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Die 90er Jahre: Antworten auf die Spaltung der Gesellschaft
Als Antwort auf die gesellschaftlich-wirtschaftliche Auswirkungen der hohen Arbeitslosenzahlen baut der Caritasverband Frankfurt
1994 seine Beschäftigungsbetriebe "Cariteam" auf. Ziel ist die Beschäftigung, Qualifizierung und Förderung von besonders benachteiligten
Langzeitarbeitslosen. In den Bereichen Maurer, Schreiner-, Maler- und Lackiererhandwerk werden jährlich über 100 Teilnehmer
geschult. Darüber hinaus laufen Qualifizierungsmaßnahmen in der Verwaltung, im Ökumenischen Kleiderdienst und im Catering.
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Marktorientierung in der Pflege
Durch die Einführung der Pflegeversicherung im Juli 1996 ändert sich die Situation der ambulanten Pflege und damit der Zentralstationen
grundlegend. Die Stundensätze aus der Pflegekasse sind deutlich niedriger als die der Krankenkassen. Weniger Leistungen und
damit weniger Zuwendung für die einzelnen Patienten können finanziert werden. Der Caritasverband muss jetzt verstärkt Eigenmittel
einsetzen, um sein Verständnis von menschenwürdiger Pflege zu realisieren.
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Neue, flexible Lösungen - Stationäre Familienbetreuung
Die Diskussion um die Sicherung und Steigerung von Qualität wird seit Mitte der 90er Jahre für alle Bereiche der Sozialarbeit
immer wichtiger. Dazu gehört vor allem die Ausrichtung der Angebote, zugeschnitten auf die Bedürfnisse und Probleme der Zielgruppen.
Innovation und Flexibilität sind ein Muss, um auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren. Beispiel: Die stationäre Familienbetreuung.
Dieses Projekt richtet sich an Familien, in denen mehrere Kinder in Heimen leben oder deren Heimunterbringung bevorsteht.
Ziel von Heimunterbringungen ist normalerweise die Rückkehr in die Herkunftsfamilie. Dieses Ziel wird aber nur selten erreicht.
Kinder und Eltern erleben dagegen die Trennung von einander als Bestrafung, die Kluft zwischen Eltern und Kinder vergrößert
sich sogar. Der Caritasverband nimmt daher in seinem Projekt die ganze Familie zusammen in eigens dafür zur Verfügung stehende
Wohnungen auf. Fachkräfte begleiten die Familie über zwei bis drei Jahre mit dem Ziel, dass die Familien lernen, selbständig
mit einander zu leben. Vergleichbare Entwicklungen gibt es bei den Wochen, Tages- und Wohngruppen in der stationären Jugendhilfe.
Der Ansatz lässt sich auf die Formel "more für less" bringen: Die Familien bekommen mehr Kompetenz und Verantwortung, gleichzeitig
ist das Hilfsangebot kostengünstiger zu organisieren.
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Modernes Selbstverständnis und Leitbild
Der Caritasverband versteht sich als "intermediäre Organisation" im geschichtlichen Kontext im Schnittfeld von Kirche, Staat,
Gesellschaft und Markt.
Aufgabe des Caritasverbandes ist es, Menschen in Not zu helfen. Diese Hilfe schließt neben der Qualitäts- und Lebenslagenorientierung
eine gemeindenahe Organisation der Angebote mit ein. Gemeindenähe bedeutet wiederum die Erschließung von Hilfen aus dem Lebensumfeld.
Insofern versteht der Caritasverband seine Angebote als subsidiär, die Sozialarbeit als Beziehungsarbeit. Der Ansatz stellt
die Ressourcen und Stärken der Betroffenen in den Mittelpunkt. Neben der Einzelfallhilfe werden auf diese Weise neue Strukturen
geschaffen.
Caritas-Sozialarbeit hat in diesem Sinne immer eine gesellschaftspolitische Komponente und wirkt an der Demokratisierung bestehender
Verhältnisse mit.
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