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Soziale Arbeit - Pfarrei

„Licht an! Der Bügel – heller, als ihr denkt“

Von: Barbara Steffan

 

20180319_Luminale_StLiobaDie illuminierte Kirche St. Lioba als Zentrum der Lichtinstallation "Am Bügel"Jens Schader, Lichtdesigner

"Eine tolle Möglichkeit, unseren Stadtteil mitzugestalten, die Nachbarschaft besser kennenzulernen und die Welt um uns herum ein kleines bisschen heller zu machen!" bringt die beteiligte, freikirchliche Barnabasgemeinde die Teilnahme des "Bügels" an der Frankfurter Luminale vom 18. bis zum 23. März auf den Punkt. 

Die Hochhaussiedlung am Ben-Gurion-Ring im Frankfurter Norden galt lange als "sozialer Brennpunkt". Doch nun eröffnete sich unversehens die Chance, der Öffentlichkeit ein anderes Bild zu präsentieren. Und so wurde auch nicht lange überlegt, sondern spontan beschlossen, an der überregional bekannten Frankfurter Luminale teilzunehmen, als sich die Möglichkeit hierzu eröffnete. Das Motto dazu: "Licht an! Der Bügel - heller, als ihr denkt ".

Wie alles begann

Mehrere Faktoren trugen dazu bei, dass diese Aktion zustande kommen konnte. Vor zwei Jahren trat ich beim Caritasverband Frankfurt e.V. meine Stelle als Sozialarbeiterin für die soziale Arbeit in der Katholischen Pfarrgemeinde Sankt Katharina von Siena Frankfurt an. Standort wurde die katholische Kirche St. Lioba in der Mitte des Ben-Gurion-Rings. Sie ist eine von sieben Gemeinden der Pfarrei, zu ihr zählen ca. 900 Gemeindemitglieder verschiedener Nationalitäten. Schwerpunkt meines Auftrags ist das sozialräumliche Arbeiten. Die Gemeinde war froh, dass die längere Zeit vakante Stelle endlich wieder besetzt war. Im Viertel wurde ich stolz als neue Mitarbeiterin präsentiert und lernte so in kurzer Zeit viele Bewohner und Einrichtungen kennen. Ich staunte, wie viele freundliche und engagierte Menschen ich traf. Viele langjährige Bewohner klagten über den schlechten Ruf ihrer Wohngegend. Sie erklärten mir, dass sie gerne hier lebten, in schwierigen Zeiten durchgehalten hätten und auch weiter daran interessiert seien, hier wohnen zu bleiben und die von ihnen als hoch empfundene Lebensqualität im Viertel zu erhalten.

Seit 2015 ist der Ben-Gurion-Ring im Bund-Länder-Programm ‚Soziale Stadt‘. 2016 wurde aus Bürgern und Einrichtungen vor Ort und unter Mitwirkung des Stadtplanungsamtes ein Stadtteilbeirat gebildet. In meiner Funktion als Vertreterin der Kirchengemeinden am Bügel initiierte ich die Bewerbung für die Luminale. Meine Ausgangsidee war, St. Lioba zu illuminieren, als "Leuchtturm" - sozusagen als Symbol für die Aufbruchsstimmung und das Engagement der Bürger. Zum anderen ist es mein persönlicher Glaube, dass die Kirche mit ihrer Botschaft "Licht in der Finsternis" ist und Orientierung anbietet in den Verunsicherungen der heutigen Zeit.

Beleuchtung ist ein großes Anliegen 

Die Luminale-Leitung nahm die Bewerbung an und ordnete den Bügel unter die Kategorie "Better City" ein, bei welcher der Aspekt der Nachhaltigkeit wesentlich ist. Die grundsätzliche Verbesserung der Beleuchtung am Ben-Gurion-Ring ist für die Bürger ein großes Anliegen, ebenso wie die Imageverbesserung. Die Mittel der ‚Sozialen Stadt‘ eröffneten somit eine überraschende Möglichkeit, den Ruf des Bügels grundsätzlich und weitreichend zu verbessern. Der Stadtteilbeirat stimmte deshalb der Umsetzung der Idee durch den Darmstädter Architekten und Lichtdesigner Jens Schader zu. Als Veranstalter fungiert das Quartiersmanagement.

Bewohner und Einrichtungen identifizieren neun "Dunkelorte" innerhalb des Ben-Gurion-Rings. In Workshops entwickeln die beteiligten Gruppen Ideen für eine phantasievolle Beleuchtung. Teilnehmer sind u.a. Jugendhaus, Kinder-und Familienzentrum, Bürgerinitiative, Geschäftsleute der Ladenzeile. Während der Luminale werden die Orte - als Vorgriff auf eine künftige bessere Beleuchtung - jeden Abend von 19.30 bis 23.30 Uhr in besonderer Weise erhellt. Die Illuminierung der Kirche St. Lioba - die natürlich nicht zu den Dunkelorten zählt - hat der Künstler persönlich übernommen. Am Beginn des Lichtparcours an der U-Bahn-Station Kalbach empfangen "Lichtscouts" die Besucher. Pro Abend werden zwei Führungen durchs Viertel angeboten. Zusätzlich gibt es ein attraktives Begleitprogramm, z. B. konzertiert am 23. März die Gruppe "Sound of Spirit" in St. Lioba. Rapper Bene zeigt auf musikalische Weise Solidarität mit seinem Viertel; eine Studentin aus dem Studentenwohnheim akrobatische Performance. Gastronomisch verwöhnt werden die Besucher im "Lichtcafé" des Stadtteilbüros in der Ladenzeile, bei der Bürger-initiative und in "LuLi’s Bistro" der vietnamesischen Gemeindemitglieder in St. Lioba, wo auch die Pfarrei Sankt Katharina von Siena Frankfurt einen Abend gestalten wird.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen den Ben-Gurion-Ring während der Luminale zu besuchen. Weitere Informationen über das Programm können einem Flyer und der Tagespresse entnommen werden.



Barbara Steffan ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet im pastoralen Team der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Katharina von Siena in Frankfurt und ist dort zuständig für die soziale Arbeit.