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Kinderbetreuung

Gemeinsam für Familien

VON: Susanne Käser und Katrin Stahlschmidt

 

Mutter und Vater mit zwei Töchter im Garten

Mütter und Väter sind oft unsicher, ob eine Krippe oder doch eher eine Tagesmutter (Kindertagespflege) das richtige Angebot sein könnte. Im Modellprojekt "Gemeinsam für Familien" engagieren sich das Caritas-Kinder- und Familienzentrum Morgenstern, die Caritas-Kindertagesstätten (Kita) Rosengarten und Sternenbrücke sowie der Fachdienst Kindertagespflege und Tagespflegepersonen und entwickeln familienorientierte Kooperationsmodelle.

Seit 2005 sind Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege vor dem Gesetz gleichrangig und haben den gemeinsamen Auftrag zur Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder. Die Beraterinnen im Fachdienst Kindertagespflege erleben aber, dass viele Eltern das familienähnliche Angebot von Tagesmutter oder -vater gar nicht kennen. Und auch die Mitarbeitenden einer Krippe und die Tagespflegepersonen wissen häufig nichts voneinander und über die Besonderheiten der jeweiligen Betreuungsform oder erleben sich als Konkurrenz. Hier setzte ein Modellprojekt der Stadt Frankfurt, begleitet durch das Mainzer Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ), an. Ziel war es, die Tagespflege bekannter zu machen, die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege zu verbessern und damit Eltern in ihrer Entscheidung zu unterstützen. Es bewarben sich Kitas unterschiedlicher Träger, der Fachdienst Kindertagespflege des Caritasverbands und Tagespflegepersonen aus Frankfurt-Bockenheim und dem Westend.

Kinder in Sandkasten

Beim Start im Juli 2015 stand das Kennenlernen im Vordergrund. Allen Beteiligten wurde sehr schnell klar, dass die pädagogischen Vorstellungen davon, was für Kinder wichtig ist, in beiden Formen sehr ähnlich sind. Unterschiede bestehen beispielsweise in der Ausbildung oder bei den Betreuungszeiten, hier sind Tagesmütter meist flexibler. Durch wechselseitige Besuche in den Kitas und Wohnungen der Tagesfamilien erhielten die Teilnehmenden des Projektes direkt Einblicke vor Ort.

Aus der Kenntnis und Wertschätzung des jeweils anderen Arbeitsfeldes entstanden dann neue Ideen. So gab es eine gemeinsam organisierte und gut besuchte Veranstaltung mit dem Titel "Welche Betreuung passt zu meinem Kind?", um Eltern für sich und ihr Kind eine gute Entscheidung zu ermöglichen. Hier konnten sich Mütter und Väter über beide Betreuungsangebote informieren sowie eine Kita und Tagespflegepersonen kennenlernen. Im Zuge dessen wurde außerdem umfassendes Infomaterial erarbeitet, das inzwischen an den Betreuungsorten ausliegt. Familien können so die Kurzkonzepte der Tagespflegepersonen und der Eirichtungen einsehen.

Ein weiteres Thema, das Eltern beschäftigt und für Kinder oft belastend ist, ist der Wechsel in eine neue Form der Betreuung. So wurde im Hinblick auf den Übergang aus Tagespflege in die Kita ein Flyer für die Eltern erarbeitet. Die Tagesmütter besuchen mit den Kindern die Kita zur Vorbereitung des Wechsels. Für die Kinder der Tagespflegestelle entstand außerdem ein Fotobuch, in dem sie sehen, dass in der Kita nicht alles anders ist. Im Vorfeld wurden bereits Rituale und Lieder aus der Kita in der Tagespflegestelle übernommen, um den Kindern Sicherheit zu geben.

Die Gruppe hatte im Verlauf des Projektes noch weitere Ideen entwickelt, beispielsweise zu möglichen Vertretungsformen bei Krankheit der Tagesmutter oder Personalmangel in der Kita. Wegen rechtlicher und versicherungstechnischer Fragen kam es jedoch bislang nicht zur Umsetzung.

Das Projekt wird im Laufe des Jahres 2017 beendet und ausgewertet. Alle Beteiligten möchten die erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen - statt in Konkurrenz arbeiten sie "gemeinsam für Familien" und sind damit ein Gewinn für Eltern und Kinder.


Die Autorinnen Susanne Käser und Katrin Stahlschmidt sind als Sozialpädagoginnen im Fachdienst Kindertagespflege tätig.