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Selbstbestimmt im Alter

1.000 Beratungen in zehn Jahren

20171123_Hausbesuche_AlexandraLadachAlexandra Ladach kam im Rahmen ihres Studien-Praktikums zum Caritasverband und hat die Präventiven Hausbesuche mit aufgebaut. Privat

Wie ist vor zehn Jahren die Idee für das damals neue Angebot entstanden?

Das Thema hat mich schon während meines Studiums beschäftigt und war auch Gegenstand meiner Diplomarbeit. Die Idee dazu konnte ich unserer Referatsleiterin vorstellen, die mir im Rahmen meines Praktikums in der Zentralstation Ost IIquasi einen "Feldversuch" ermöglichte. Mit Projektgeldern des Deutschen Hilfswerks konnte diese Tätigkeit über drei Jahre inhaltlich entwickelt werden.

Was sind die zentralen Ziele der Präventiven Hausbesuche?

Die Gesundheitsberatung für Senioren trägt dazu bei, die Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden lange zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Es geht um Gesundheitsrisiken und Vorsorgemaßnahmen, Unterstützungsangebote und Möglichkeiten der Gesundheitsförderung. Zielgruppe sind Senioren im Vorfeld einer Pflegebedürftigkeit.

Gilt das Angebot stadtweit, d. h. kann sich jede ältere Frankfurterin und jeder ältere Frankfurter für eine Beratung anmelden und ab welchem Alter darf man überhaupt die Beratung in Anspruch nehmen?

Aktuell decken wir insgesamt 17 Stadtteile ab. Durch die Förderung der Stadt Frankfurt ist die Beratung kostenlos. Beim Alter ist der Anhaltspunkt 75 Jahre - plus/minus. Grundsätzlich ist es wünschenswert, wenn sich Menschen möglichst früh mit dem Thema des gesunden Älterwerdens beschäftigen.

Was sind die häufigsten Fragen / Probleme, die Ihnen in der Praxis begegnen?

Aus einer konkreten Fragestellung ergeben sich häufig weitere Beratungsinhalte. Themen sind meist die Wohnsituation, reduzierte Mobilität, gesundheitliche Einschränkungen oder der Rückgang sozialer Kontakte. So kann beispielsweise eine Sturzprävention - also die Vorbeugung von Sturzgefahren - der Beratungsanlass sein, beim Hausbesuch aber auch ein Unterstützungsbedarf im Haushalt offenkundig werden.

Wie sieht ganz konkret eine Beratung aus? Und werden Familienmitglieder auf Wunsch mit eingebunden?

Etwa 50 Prozent der Hausbesuche finden gemeinsam mit Angehörigen statt, häufig kommen die Anfragen auch über sie. Zunächst geht es um eine generelle Einschätzung der Situation und das gegenseitige Kennenlernen bevor die präventive Beratung beginnt, bei der es dann um konkrete Empfehlungen zur Gesundhaltung und Reduzierung von Risiken geht.

Wie erfahren die Senioren eigentlich von der Möglichkeit einer solchen Beratung?

Die meisten Menschen interessieren sich erst für das Thema, wenn es durch einen konkreten Anlass ein Bewusstsein über die eigene Verwundbarkeit gibt. Die Information über das Angebot erfolgt über Öffentlichkeitsarbeit in der Presse, Infostände in Kirchengemeinden, Gesundheitsmessen usw. Vor allem aber über Hausärzte, Seniorenclubleitungen, Apotheken und Sozialrathäuser. Und natürlich über unsere eigenen Caritas-Angebote.

Gibt es Zahlen, wie viele Menschen Sie mit dem Angebot in zehn Jahren erreicht haben?

Ich schätze, wir kommen auf circa 1.000 Beratungen. Die Nachfrage steigt kontinuierlich. Mitte 2015 wurde in Deutschland das Präventionsgesetz verabschiedet. Bei unseren Präventiven Hausbesuchen liegt der Fokus genau hier. Mein großes Ziel wäre es, die Gesundheitsberatung als Regelangebot zu etablieren. In Dänemark gibt es das bereits.


Alexandra Ladach arbeitet seit 2006 im Caritasverband Frankfurt im Bereich der Präventiven Altenhilfe. Sie ist Krankenschwester und hat ein Studium "Pflege und Case Management" angeschlossen. Im Rahmen ihres Studien-Praktikums kam sie zum Caritasverband und hat die Präventiven Hausbesuche mit aufgebaut. Nach der Geburt ihrer Kinder ist sie jetzt wieder "an Bord".