Konrad-von-Preysing-Haus
Michael Wolf (Leitung)
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Mit dem Hausboot dahingleiten auf dem Fluss
Eine Gruppe aus dem KPH erkundet das Elsass auf dem Wasserweg
Eine Kreuzfahrt mit dem Schiff – für viele Menschen der Traumurlaub schlechthin. Auch einige Bewohner aus dem Konrad-von-Preysing-Haus
(KPH), dem Caritas-Wohnverbund für Menschen mit geistiger Behinderung, wollten einmal eine Ferienreise auf dem Wasser machen.
Da eine Kreuzfahrt mit dem Luxusliner unerschwinglich war, schipperten sie mit dem Hausboot durchs Elsass…
Zu den Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im KPH zählt auch die Urlaubsplanung gemeinsam mit den Bewohnern. Eine
Ferienreise im Sommer gehört für sie genauso dazu wie für die meisten anderen erwerbstätigen Menschen. Solch eine gemeinsame
Reise dient nicht nur der Erholung, sondern jeder Tag bringt neue Situationen und Herausforderungen, denen man sich stellen
muss. Am Ende haben alle viel dazu gelernt…
Als im KPH im letzten Sommer der Wunsch nach einer Schiffsfahrt laut wurde, war wie immer der Einfallsreichtum des Betreuer-Teams
gefragt. Aber schon bald war das Richtige gefunden: eine Fahrt mit dem Hausboot durch das Elsass. Sechs Bewohner aus dem KPH
machten sich auf die Reise, begleitet von zwei pädagogischen Mitarbeitern.
75 km westlich von Straßburg wurde das Boot bestiegen. Von da ging es auf dem Rhein-Marne-Kanal Richtung Straßburg, von dort
über den Rhein-Seiten-Kanal rund 40 km in südliche Richtung bis nach Boofzheim, dem Endpunkt der Flusskreuzfahrt. Beim ersten
Blick auf die stattliche Grand Classique 7 wurde es dem Achter-Team ohne jede Bootserfahrung ein wenig mulmig: 15 m lang und
4,20 m breit lag sie da, ein Schiff, kein Boot! Aber dafür auch innen schön geräumig: fünf Kabinen, drei Bäder, ein großer
Wohnbereich und eine voll ausgestattete Küche. Nach einer kurzen Einweisung durch einen Techniker des Bootsverleihers hieß
es: „Leinen los!“
Ohne zu mucken ließ sich die Grand Classique 7 aus dem Hafen hinaus Richtung Westen steuern – der erste Höhepunkt sollte die
16m-Schleuse von Réchicourt le Chateau sein. Der Kanal schlängelte sich durch die wunderschöne grüne Landschaft, der untergehenden
Abendsonne entgegen – aus einem Luxusliner kann es nicht schöner sein! Bei Gondrexage wurde für die Nacht angelegt. Früh am
nächsten Tag ging es dann zur Schleuse, in deren Kammer das Boot 16 Meter in die Tiefe sank, bis es in die weite Seenlandschaft
des Étang de Réchicourt davonschippern konnte. Die nächste Nacht verbrachte das Boot im Hafen von Houillon am Saar-Kohle-Kanal.
Zum Abendessen gab es Spaghetti mit Tomatensoße, fabriziert in der eigenen Kombüse.
Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Osten. Es gab selten Gegenverkehr und viele breite Stellen, so dass auch zwei KPH-Bewohner
erste Erfahrungen als Bootsmänner sammeln konnten. Dann plötzlich: Stop! Unplanmäßiger Aufenthalt! Bei den Tunneln von Niderviller
und Arzviller war ein Kran in den Fluss gestürzt, die Strecke unbefahrbar, und das hieß warten. Für einige der Teilnehmer
war diese plötzliche Änderung des Tagesplans nur schwer zu akzeptieren, weil damit ein geplanter Stadtbummel mit Einkäufen
und Restaurantbesuch Wasser fiel. Sie mussten sich mit Tortellini aus der Kombüse zufrieden geben.
Früh am anderen Morgen wurden erneut die Tunnel angesteuert – einige der Mitreisenden schliefen noch und wachten erst vom
Brummen der Motoren im Tunnel auf. In Arzviller folgte der nächste Höhepunkt, das Schiffshebewerk: In einer Art überdimensionaler
Badewanne auf Rädern wurde die Grand Classique 7 45 m in die Tiefe transportiert, ein Schauspiel, das die Reisegäste sicherheitshalber
lieber vom Inneren des Bootes aus verfolgten. In Saverne, dem Endpunkt der Etappe, gab es dann den lang ersehnten Stadtbummel
mit französischem Festmahl im Caveau de l’escale.
Am Ende der Woche hatten alle aus dem Team Übung im Steuern, wussten Bescheid, was an den Schleusen zu tun ist, und in der
Kombüse wechselte man sich ab. Mit einem perfekten Rückwärtsanlegemanöver verabschiedete sich die Truppe in Boofzheim von
der Grand Classique 7 und kletterte wieder an Land. Eine Woche gemeinsam auf engem Raum zu verbringen, war für alle eine Herausforderung.
Die beiden pädagogischen Begleiter staunten wieder einmal, wie viel Selbständigkeit Menschen mit einer geistigen Behinderung
in neuen, ungewohnten Situationen an den Tag legen. Alle waren begeistert von dieser Schiffsfahrt, das ganze Team kam braun
gebrannt und gut erholt zurück ins KPH, wo dann viel Seemannsgarn gesponnen wurde…
