Heilpädagogisches Institut Vincenzhaus
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Vor 50 Jahren: Misshandlungen und Übergriffe
Ehemalige Heimkinder melden sich
Zu Beginn des Jahres 2010 wird die Öffentlichkeit erschüttert von Berichten über Misshandlungen und sexuelle Übergriffe an Kindern und Jugendlichen: Es zeigt sich, dass in Schulen, Internaten und Heimen während der 50er- und 60er-Jahre vielfach Schläge und Misshandlungen als gängiges Erziehungsmittel angesehen wurden. Darüber hinaus sind Kinder und Jugendliche auch in kirchlichen Einrichtungen sexuell missbraucht worden von Menschen, denen sie anvertraut waren und auf deren Schutz sie hoffen konnten. Die Gewissenlosigkeit der Täter hat das Leben vieler Kinder von damals zerstört, bis heute leiden die Opfer unter den Taten von damals. Auch Kinder im Vincenzhaus in Hofheim waren betroffen.
Beim Caritasverband Frankfurt haben sich Anfang 2010 kurz hintereinander drei ehemalige Heimkinder gemeldet und über Misshandlungen von Erziehungspersonal und über sexuelle Übergriffe in den 50er- und 60er-Jahren im Vincenzhaus berichtet. Bis dahin hatte der Caritasverband Frankfurt keinerlei Hinweise auf solche Vorgänge. Im Gegenteil: viele ehemalige Heimkinder suchen bis heute den Kontakt und berichten positiv über ihre Zeit im Vincenzhaus.
Umso größer war das Entsetzen bei der Caritas Frankfurt, als es keinen Zweifel mehr daran geben konnte, dass es auch im Vincenzhaus
in der Vergangenheit zu Übergriffen gegen Kinder gekommen ist. Der Verband ging sofort an die Öffentlichkeit, informierte
die betroffenen Jugendämter, und Caritasdirektor Hartmut Fritz wandte sich mit einer Erklärung an die Medien:
"Wir sind tief betroffen von Hinweisen auf Missstände im Vincenzhaus und nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Wir wollen wissen,
was damals geschehen ist, und sind nun darauf angewiesen, dass sich Zeitzeugen bei uns melden. Wir bitten ehemalige Heimkinder,
die in den 50er- und 60er-Jahren möglicherweise von Misshandlungen im Vincenzhaus betroffen waren, mit uns Kontakt aufzunehmen
unter der Telefonnummer 069 2982-142."
Daraufhin haben sich beim Caritasverband Frankfurt bis Ende Mai 2010 15 ehemalige Heimkinder gemeldet, die im Kinderheim Vincenzhaus in Hofheim gelebt haben, davon zwei Frauen. Der Caritasverband hat alle zu Gesprächen und Besuchen ins Vincenzhaus eingeladen. Viele haben dieses Angebot angenommen, es gab mehrere Treffen mit ehemaligen Heimkindern. „Ich bin tief bewegt von den Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern, die unserem Appell gefolgt sind, damit wir die Vorgänge in der 50er- und 60er-Jahren aufklären können“, sagte Caritasdirektor Hartmut Fritz. „Ich werte die Offenheit, mit der uns berichtet wurde, als Zeichen großen Vertrauens, für das ich dankbar bin“, so Fritz.
Die ehemaligen Heimkinder haben per Mail, am Telefon und in Briefen ihre Erlebnisse geschildert. Viele berichten über harte Strafen, Gewalt und Misshandlung, zwei schildern sexuellen Missbrauch. Die Hinweise auf sexuellen Missbrauch konzentrieren sich auf einen ehemaligen Mitarbeiter, der mutmaßlich Anfang der 60er-Jahre im Vincenzhaus beschäftigt war. Er konnte bisher noch nicht identifiziert werden. Das bisher zusammengetragene Material wurde der Staatsanwaltschaft Frankfurt übergeben. Drei ehemalige Heimkinder haben ausschließlich positive Erinnerungen an ihre Zeit im Vincenzhaus.
Caritasdirektor Hartmut Fritz entschuldigte sich bei den Opfern: „Es tut mir sehr leid, dass Kinder im Vincenzhaus Gewalt
und sexuellen Missbrauch erleben mussten. Ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen Opfern und bitte um Verzeihung für
das Leid, das ihnen im Vincenzhaus zugefügt wurde.“ Die Caritas bietet auch weiterhin allen Betroffenen Telefonkontakt, Gespräche
und Besuche im Vincenzhaus an. Zeitzeugen können Kontakt aufnehmen unter der Telefonnummer 069 2982-142.
Im Internet hat die Caritas ihre Standards zur Prävention von Übergriffen durch MitarbeiterInnen veröffentlicht, die seit
Jahren Anwendung finden. Der Verband hatte bereits 2006 ein Kinderschutzkonzept erarbeitet, das kontinuierlich überprüft und
weiterentwickelt wird.
