Konrad-von-Preysing-Haus
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Lampenfieber
Theateraufführung im Konrad-von-Preysing-Haus
Februar 2008. Anspannung hinter der Bühne. Auf engstem Raum stehen zwei Kleiderständer mit Kostümen und jede Menge Stühle, auf denen die Schauspieler ihrem Einsatz entgegenfiebern. Gleich hebt sich der Vorhang...
"Gezeigte Zeit" heißt das Stück von Natacha Brumant, das 15 Menschen mit geistiger Behinderung und drei Mitarbeiterinnen aufführen werden. Sie alle leben im Wohnverbund des Konrad-von-Preysing-Hauses und dort wiederum in den verschiedensten Wohnformen. Es ist eine ziemlich bunte Truppe, die da zusammengekommen ist, und mittlerweile eine ziemlich große. Seit Probenbeginn im Oktober 2007 war der Kreis der Laienschauspieler von Woche zu Woche gewachsen. Nur rund zwei Monate hatten sie Zeit, das Stück zur Bühnenreife zu bringen - schon am ersten Advent sollte Premiere sein.
Kaum jemand hätte mit einem so guten Ergebnis gerechnet. Schließlich war der Start für alle nicht leicht. Über einen längeren Zeitraum hinweg konzentriert arbeiten, eigene Ideen einbringen, Verantwortung übernehmen, sich mit der Handlung des Stückes und den Mitspielern auseinandersetzen, aktiv mitentwickeln und -gestalten, so lautete das Ziel. Aber genau das brachte für die meisten Klientinnen und Klienten große Schwierigkeiten mit sich. Weil sich viele von ihnen überfordert fühlten, wurde die Methodik ihren Fähigkeiten und Voraussetzungen angepasst. Ein fester Rahmen wurde geschaffen, der bessere Gestaltungsmöglichkeiten für die Akteure bot.
Und alle waren erstaunt, wie dieser Rahmen mehr und mehr genutzt werden konnte. Plötzlich kamen eigene Ideen zur Gestaltung der Kostüme. Ein Mann, der eine Braut spielte, kleidete sich in der Tracht seines Herkunftslandes, auch andere Kostüme erhielten durch Mitbringsel und Veränderungen eine persönliche Note. Bei den offiziellen Proben blieb es nicht, es wurde zusätzlich geübt: zu Hause mit Betreuerinnen und Betreuern und selbst am Arbeitsplatz in der Werkstatt. Schließlich brachten die Klientinnen und Klienten immer mehr Gestaltungsideen für die einzelnen Szenen ein. So bildet in einer Sequenz, in der die Zeit mal schnell und mal langsam vergeht, der Arbeitsalltag in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung den Rahmen. Das Engagement der Akteure und ihre besonderen Fähigkeiten ließen die Gruppe auch schwierige Situationen bestehen.
Im Lauf der Probenarbeit wurde das Stück immer wieder verändert und den persönlichen Voraussetzungen der Beteiligten angepasst - sogar noch bei der Generalprobe! Die Texte wurden Schritt für Schritt gekürzt, und was davon übrig blieb, wurde nicht Wort für Wort auswendig gelernt. Im Gegenteil, es blieb ganz bewusst Raum für die Improvisation. So kann man als Besonderheit festhalten, dass das Stück bei jeder Probe oder Aufführung ein anderes Gesicht hatte.
Die Spannung steigt, gleich ist es so weit. Aber zuerst ist noch der Nachrichtensprecher dran. Er liest Meldungen aus aller Welt, die durchweg mit dem Thema Zeit zu tun haben. Seine Stimme kommt vom Band, sie wurde vorher aufgezeichnet. So konnte ein Klient integriert werden, der zwar mitmachen aber nicht auf der Bühne in Erscheinung treten wollte. Und dann geht es endlich los. Verschiedene Szenen beleuchten das Thema Zeit. Im Zentrum der Rahmenhandlung steht eine Uhrmacherwerkstatt, die verschiedene Kundinnen und Kunden aufsuchen, um ihre Uhren reparieren zu lassen. Es geht auch um den Kreislauf des Lebens - von der schwangeren Frau, die in die Werkstatt kommt, bis hin zu dem alten Mann, der schließlich dort stirbt.
Das Stück wird von der Band Conny P. mit Liedern begleitet, die die dargestellten Themen aufgreifen. Man glaubt es kaum, aber den größten Teil der Arbeit leisten die Akteure hinter den Kulissen, dort, wo man sie nicht sieht. Vor allem die schnellen Kostümwechsel verlangen ihnen einiges ab. Auf engstem Raum müssen sie sich leise verhalten, dürfen nicht streiten. Mit der eigenen Nervosität und der Anspannung der ganzen Gruppe umzugehen, das ist für alle eine große Herausforderung. Aber letztlich meistern sie alle mit Bravour. Ein toller Applaus ist die Belohnung für den großen Einsatz.
Nach dem Auftritt bei der Adventsfeier des Wohnverbundes folgten weitere Aufführungen bei der Weihnachtsfeier der Lebenshilfe und in der Kirchengemeinde Obertshausen. In diesem Jahr wird es ein neues Stück geben. Was für eins? Das wissen wir noch nicht. Aber etwas Witziges soll es sein, meinen die Klientinnen und Klienten.
