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Das neue Caritas-Quartier

Mitten im Herzen von Frankfurt, nur wenige Minuten von Römer und Main entfernt, präsentiert sich seit März 2012 zwischen Karmelitergasse, Alter Mainzer Gasse und Buchgasse das neue Zentrum der Caritas Frankfurt.
Das Neubau-Ensemble, das eine Fläche von rund 3.800 Quadratmetern umfasst, besteht aus einem Lebenshaus mit generationenverbindendem Wohnen und integriertem Pflegebereich, einer Kindertagesstätte und der neuen Caritas-Geschäftsstelle mit Beratungsangeboten. Im Lebenshaus wird auch die Kontaktstelle Engagementförderung des Caritasverbands entstehen.

Mit dem Lebenshaus hat der Caritasverband Frankfurt mitten in der Innenstadt ein neues Wohnkonzept- und ein Konzept der stationären Altenpflege realisiert, das Integration und Teilhabe am öffentlichen Leben für alte Menschen ermöglicht. Hier wird ein ganz neuer Ansatz von generationenverbindendem, sozial durchmischtem Wohnen realisiert. Das Haus soll auch ein zentraler Ort im Quartier werden. Ein Sozialarbeiter wird sich um die Förderung der Kontakte innerhalb des Hauses, aber auch um die Vernetzung zum Stadtteil hin kümmern.

Im Lebenshaus gibt es 25 Wohnungen und Appartements für Alleinstehende, Familien, Menschen mit Behinderung sowie 36 Pflegeplätze. Die Wohnungen sind 42 bis 150 Quadratmeter groß.. Die Pflegebereiche befinden sich in zwei Stockwerken mit jeweils 18 Zimmern und sind durch Fenster und Türen mit dem Wohntrakt verbunden. Für die Pflegebedürftigen ist viel Platz in Gemeinschaftsräumen. Diese öffnen sich zur umliegenden Wohnbebauung durch große Fenster und Balkone.
In enger Kooperation mit der Caritas-Zentralstation für ambulante Pflege Mitte-West in Hausen werden neben den pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohnern auch ältere Menschen in der Umgebung ambulant versorgt.

Daneben bietet das Lebenshaus Begegnungsmöglichkeiten nicht nur für die Hausbewohner, sondern auch für Gäste und Nachbarn aus dem Quartier. Es integriert verschiedene öffentliche Räume wie z. B. eine Cafeteria, Tagungsräume und eine Kapelle, wo künftig nachbarschaftliche Begegnungen, kulturelle Angebote, Seminare und Gottesdienste, aber auch Familienfeiern möglich sind.

In das nachbarschaftliche Konzept wird auch die „Kontaktstelle Engagementförderung“ einbezogen, die sich mit attraktiven Räumen im Erdgeschoss zur Buchgasse hin präsentiert. Hier wird ein Informations- und Aktionszentrum entstehen, wo Menschen willkommen sind, die sich zum einen über Caritas-Themen informieren wollen, die aber auch auf der Suche sind nach sinnstiftenden ehrenamtlichen Einsatzmöglichkeiten.
Herzlich willkommen sind hier auch Jugendliche, die sich engagieren wollen, und junge Menschen in der Berufsfindungsphase. Für sie wird es spezielle Angebote geben. Kurz: An der Buchgasse soll ein Treffpunkt entstehen für Menschen, die sich sozial engagieren und gesellschaftspolitisch einmischen wollen.

Nach Süden hin, an der Alten Mainzer Gasse 10, nimmt das neue Caritasgebäude den gesamten Raum ein. Es untergliedert sich in ein Beratungshaus und die Geschäftsstelle mit der Verwaltung und den Konferenzräumen. Der zentrale Eingang zu beiden Gebäudekomplexen – Beratungshaus und Verwaltung - befindet sich an der Buchgasse. Der Haupteingang mündet in einen Innenhof, in den der denkmalgeschützte Renaissance-Treppenturm integriert ist. An der Ostseite des Hofs liegt das Spielgelände der Kindertagesstätte.

Die Kindertagesstätte St. Leonhard bildet an der Karmelitergasse den verbindenden Riegel zwischen dem Lebenshaus und dem vorgelagerten Caritashaus. Die Kita bietet insgesamt 62 Kindern ab einem Jahr Platz und hat vier Gruppenräume. Das Gebäude ist nur einstöckig, das Flachdach wird begrünt. Der Blick kann dadurch vom Innenhof aus zu Karmeliterkloster und -Kirche schweifen. Die Kita wurde im Mai 2012 eröffnet.

Mehr als zehn Jahre Planungszeit und Vorbereitungen

Bereits in der Mitte der 90er Jahre war abzusehen, dass Haus Leonhard den gestiegenen Ansprüchen und Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügte, um es weiter als Altenpflegeheim zu betreiben. Es war aber schon damals klar, dass es wenig Sinn machen würde, nur dieses eine Gebäude zu erneuern, und so erteilte der Caritasverband Ende der 90er-Jahre den Auftrag, die Bebauung und Gestaltung des gesamten Geländes zwischen Alter Mainzer Gasse, Karmelitergasse und Buchgasse neu zu planen. In einer ersten Planungsphase wurde zunächst das inhaltliche Konzept des Lebenshauses entwickelt. Damals gab es noch kaum Modelle für generationenübergreifendes Wohnen und die Planer begaben sich auf Neuland. Das Lebenshaus sollte stationäre Pflege, altengerechte, barrierefreie Wohnungen und Dienstleistungsflächen unter einem Dach vereinen.
Außerdem sollte die gute Lage des Hauses in der Frankfurter Innenstadt und nahe dem Mainufer genutzt werden für hochwertige Mietwohnungen in den oberen Stockwerken.

Parallel zur Planung des Lebenshauses wurden zusätzliche Studien in Auftrag gegeben für den Entwurf eines ganzen Ensembles, bei dem das Lebenshaus durch eine Kindertagesstätte und verschiedene Beratungseinrichtungen ergänzt werden sollte, einschließlich eines Neubaus für die Geschäftsstelle des Caritasverbands. Mit diesen Planungen sollte den gestiegenen Ansprüchen und Bedürfnissen eines stetig wachsenden Verbands und zeitgemäßer Kinderbetreuung entsprochen werden. Gleichzeitig wurde damit die seit der Nachkriegszeit an diesem Ort entstandene Tradition konsequent weitergeführt.

Neue Bautechnik und veränderte Vorstellungen zur Altstadtbebauung machen neuen Anlauf nötig

Von den ersten Planungen für das Lebenshaus im Jahr 1998 bis zur Realisierung war es ein weiter Weg: Die Baugenehmigung für das Lebenshaus kam 2006, und erst im Frühjahr 2009 konnten die Bagger mit dem Abriss des alten Gebäudes beginnen.

Der lange Vorlauf brachte es mit sich, dass nicht nur die technischen Baubestimmungen und die Bauordnung andere waren als zu Beginn, sondern auch der Mehrwertsteuersatz und sogar die Währung hatten sich grundlegend verändert. Daneben war die städtebauliche Diskussion über die Rahmenplanung für das Bauen in der Frankfurter Innenstadt im Zuge der Neubebauung des Römerberges vorangeschritten und die Vorgaben hatten sich derart gewandelt, dass die ursprünglichen Planungen für den zweiten Bauabschnitt – sozusagen als „Zwilling“ des Lebenshauses – nicht mehr aufrechterhalten werden konnten, denn sie waren nun nicht mehr genehmigungsfähig.

In enger Abstimmung mit den Ämtern der Stadt Frankfurt wurde daher zunächst eine städtebauliche Planung für das Grundstück an der Alten Mainzer Gasse entwickelt, die der besonderen Bedeutung für die räumliche Gestaltung des gegenüberliegenden Leonhardsplatzes Rechnung trug. Der ursprüngliche Bauplan wurde abgewandelt: Die neue Fassung des „Zwillings“-Gebäudes zum Lebenshaus an der Alten Mainzer Gasse zitiert den Baustil der vergangenen Jahrhunderte durch markante Steildächer und Giebel, eine kleinteilige, dem Straßenverlauf folgende Einzelhaus-Struktur und Untergliederung, und Putzfassaden mit Lochfenstern.
Das Gebäude hebt sich nicht zuletzt durch eine hohe Verdichtung deutlich von der heterogenen Umgebung ab. Am ehesten erkennbar ist der Anklang an das benachbarte Karmeliterkloster oder auch an das Haus am Dom, dessen Architektur als der Beginn einer neuerlichen Ära der Rekonstruktion auf dem Frankfurter Römerberg angesehen werden kann.

In weiteren Planungsschritten und ausführlichen Diskussionen wurde die vorgegebene Struktur von vier fünfgeschossigen Einzelhäusern entlang der Alten Mainzer Gasse entwickelt und die Gestaltung des eingeschossigen Flachbaus für die Kindertagesstätte entlang der Karmelitergasse erarbeitet. Entstanden sind Räumlichkeiten für insgesamt rund 120 Büroarbeitsplätze mit den erforderlichen größeren und kleinen Konferenzräumen. Trotz der starren äußeren Vorgaben wurde Wert darauf gelegt, ein Gebäude zu schaffen, das eine gewisse Flexibilität erlaubt: Dies gilt für die Grundrissgestaltung des einzelnen Arbeitsplatzes als auch hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Strukturen des Verbands bis hin zur externen Vermietung einzelner Hausbereiche.

Zentraler Eingang für das neue Caritas-Ensemble ist die Ecke zum Leonhardplatz hin, wo die Buchgasse auf die Alte Mainzer Gasse trifft. Erschlossen werden sowohl das neue Beratungs- und Verwaltungshaus als auch das Lebenshaus über den gemeinsamen Innenhof. In dessen Mitte steht der denkmalgeschützte Renaissance-Turm, der nach aufwändiger Sanierung als geschichtsträchtiges Erkennungszeichen das Zentrum des neuen Caritas-Quartiers markiert.

Passivhausstandard

Im Lauf der Planungszeit haben sich auch die Vorgaben und technischen Möglichkeiten zur Umweltverträglichkeit und zum Energiesparen verändert. Dem wird mit dem Neubau des Beratungs- und Verwaltungshauses ebenfalls Rechnung getragen: Das Gebäude ist besonders gut wärmegedämmt und deckt den verbleibenden geringen Heizenergiebedarf über eine Geothermie-Anlage mit Wärmepumpe. Es entspricht damit dem sogenannten Passivhausstandard. Diese Bauweise gilt als besonders gut geeignet für Büroarbeitsplätze, da gegenüber konventionellen Häusern jederzeit eine überdurchschnittlich gute Luftqualität gewährleistet ist. Außerdem wird es möglich sein, das Haus im Sommer bei Umkehrbetrieb der Heizanlage in einem gewissen Umfang mit der Kälte des Grundwassers zu kühlen. Das von den Dachflächen gesammelte Regenwasser wird in einer unterirdischen Zisterne gesammelt und dient als Grauwasser zur Toilettenspülung. So ermöglicht das neue Haus sparsame Energieverwendung bei gleichzeitig hohem Komfort. Im Jahr werden rund 30 Tonnen CO2 eingespart.

Historie und Denkmalschutz

Im Zentrum des neuen Caritas-Ensembles steht ein denkmalgeschützter Treppenturm aus der Renaissance, der in den Neubau integriert und aufwändig saniert wurde.
Die Maße der darunter liegenden Tiefgarage und des Kellergeschosses nehmen Rücksicht auf die Lage des Turms und die alten Fundamente. Mit einem aufwändigen Verfahren wurde der Baugrund sorgfältig verstärkt, um die Standfestigkeit des Turmes zu sichern. Der in der Nachkriegszeit nicht denkmalgerecht aufgetragene Putz wurde entfernt und zur Dokumentation des Bestandes ein verformungsgerechtes Aufmaß des Mauerwerks erstellt. Der Turm wird noch eine neue Putzfassade erhalten, die sich in der Ausführungsqualität an der kürzlich restaurierten Fassade der Leonhardskirche orientiert. Das Foyer des Lebenshauses wurde so gestaltet, dass der Innenraum des Treppenturmes mit seinem kunstvoll gestalteten Sandsteinhandlauf sichtbar wird.

An den Treppenturm schloss sich ursprünglich ein niedriger Torbogen an. Dieser filigrane Bogen wurde vor Beginn der Bauarbeiten sorgfältig abgetragen, fachgerecht gesichert und eingelagert. In Abstimmung mit der Frankfurter Denkmalpflege wird der Torbogen nach Abschluss der Bauarbeiten am alten Platz wieder errichtet werden.

Kosten und Finanzierung

Die Kosten für das gesamte Gebäude-Ensemble liegen bei 23,4 Millionen Euro. Davon entfallen auf das Lebenshaus 12,9 Millionen Euro - allein fünf Millionen Euro kostet der Pflegetrakt, der von der Stadt Frankfurt bezuschusst wurde mit 3,45 Millionen Euro.
Der Neubau der Kindertagesstätte kostet 1,8 Millionen Euro, an denen sich ebenfalls die Stadt Frankfurt anteilig mit 1 Mio. Euro beteiligt. Die Kosten für das Beratungshaus und das angeschlossene Verwaltungsgebäude liegen bei 8,7 Millionen Euro.
Aus dem kirchlichen Bereich wurden insgesamt 1,6 Millionen Euro durch die Domgemeinde, den Gesamtverband der Katholiken in Frankfurt und das Bischöfliche Ordinariat zur Verfügung gestellt. Die Frankfurter Sparkasse spendete  51.000 Euro für das Lebenshaus.